Dein Mac wird langsam, der Speicherplatz schmilzt dahin wie Schnee in der Sonne, und du hast keine Ahnung, wo die ganzen Gigabytes geblieben sind? Die Antwort könnte in einem versteckten Bereich deines Systems liegen, von dem viele Mac-Nutzer nicht einmal wissen, dass er existiert: lokale Time Machine Snapshots. Diese unsichtbaren Datenschätze können sich heimlich auf deiner Festplatte breitmachen und wertvollen Speicherplatz blockieren, den du dringend für andere Dinge brauchst.
Was sind lokale Time Machine Snapshots überhaupt?
Time Machine ist Apples elegante Backup-Lösung, die deine Daten automatisch sichert. Was viele nicht wissen: Selbst wenn deine externe Backup-Festplatte gerade nicht angeschlossen ist, erstellt macOS weiterhin sogenannte lokale Snapshots direkt auf deiner internen SSD oder Festplatte. Diese Funktion soll als Sicherheitsnetz dienen, falls du kurzfristig auf eine ältere Dateiversion zugreifen musst.
An sich ist das eine clevere Idee – Apple möchte sicherstellen, dass du auch unterwegs geschützt bist. Das Problem? Diese Snapshots können sich summieren und mehrere Gigabytes verschlingen, ohne dass du eine klare Warnung erhältst. Besonders bei Macs mit kleineren SSDs wird das schnell zum Engpass.
Versteckte Dateien sichtbar machen: Der erste Schritt
macOS versteckt standardmäßig Systemdateien und -ordner, um unerfahrene Nutzer vor versehentlichen Änderungen zu schützen. Um den versteckten Bereich zu erkunden, musst du zunächst diese unsichtbaren Dateien sichtbar machen. Der Trick ist denkbar einfach: Öffne den Finder und drücke die Tastenkombination Cmd + Shift + . (Punkt). Wie durch Zauberhand tauchen plötzlich zahlreiche ausgegraute Ordner und Dateien auf, die vorher komplett verborgen waren. Diese Funktion funktioniert als Schalter – einmal drücken macht alles sichtbar, nochmal drücken versteckt es wieder.
Das Terminal: Dein mächtiges Werkzeug für die Snapshot-Verwaltung
Um wirklich zu verstehen, welche Snapshots auf deinem System existieren und wie du sie kontrollierst, musst du einen Ausflug ins Terminal wagen. Keine Sorge – die Befehle sind unkompliziert und sicher, solange du aufmerksam vorgehst.
Alle Snapshots auflisten
Öffne das Terminal über Spotlight (Cmd + Leertaste, dann „Terminal“ eingeben) oder über den Ordner „Dienstprogramme“ im Programme-Ordner. Gib folgenden Befehl ein:
Nach dem Drücken der Enter-Taste zeigt dir das Terminal eine Liste aller lokalen Time Machine Snapshots an. Die Ausgabe sieht etwa so aus: com.apple.TimeMachine.2024-01-15-143022. Die Zahlenfolge repräsentiert das Datum und die Uhrzeit der Snapshot-Erstellung im Format Jahr-Monat-Tag-Stunde-Minute-Sekunde.
Diese Liste kann überraschend lang sein, besonders wenn du seit Wochen kein vollständiges Backup auf eine externe Festplatte gemacht hast. Jeder dieser Einträge beansprucht potenziell Speicherplatz auf deiner SSD.
Gezielt Speicherplatz zurückerobern
Wenn du feststellst, dass alte Snapshots wertvollen Platz blockieren, kannst du sie manuell löschen. Der Befehl dafür lautet:
tmutil deletelocalsnapshots [Datum]
Dabei ersetzt du [Datum] durch den entsprechenden Teil aus der Liste, also beispielsweise: tmutil deletelocalsnapshots 2024-01-15-143022. Das System entfernt dann diesen spezifischen Snapshot und gibt den Speicherplatz wieder frei. Du kannst diesen Vorgang für mehrere Snapshots wiederholen, solltest aber nicht alle auf einmal löschen, falls du noch auf ältere Dateiversionen zugreifen möchtest.

Wichtige Hinweise für den sicheren Umgang
Bevor du enthusiastisch alle Snapshots von deinem System fegst, solltest du ein paar Dinge beachten. macOS verwaltet lokale Snapshots normalerweise intelligent und löscht sie automatisch, wenn der Speicherplatz knapp wird oder wenn sie älter als 24 Stunden sind. Das manuelle Löschen solltest du also nur in Betracht ziehen, wenn du wirklich dringend Platz benötigst oder feststellst, dass das System nicht wie erwartet aufräumt.
Ein sinnvoller Ansatz ist es, zunächst die ältesten Snapshots zu entfernen und die neueren zu behalten. So hast du immer noch eine gewisse Versionshistorie, falls du kurzfristig eine Datei wiederherstellen musst. Außerdem solltest du sicherstellen, dass du regelmäßig vollständige Backups auf eine externe Festplatte machst – dann kann macOS die lokalen Snapshots eigenständig bereinigen. Wenn du dein Backup-Laufwerk anschließt und ein neues Backup erstellst, überträgt macOS den lokalen Snapshot auf dein externes Laufwerk und löscht ihn automatisch aus deinem internen Mac-Speicher.
Alternative Methoden zur Speicherplatzverwaltung
Apple hat in neueren macOS-Versionen das APFS-Dateisystem eingeführt, das Snapshots auf clevere Weise verwaltet. In der Speicherverwaltung unter „Über diesen Mac“ kannst du dir einen Überblick über den belegten Speicherplatz verschaffen. Allerdings gibt es hier eine wichtige Besonderheit: Dein Mac zählt von Snapshots belegten Speicherplatz als verfügbaren Speicherplatz. Das bedeutet, dass der Finder oft mehr freien Platz anzeigt als tatsächlich vorhanden erscheint, weil Snapshots nicht als belegt gezählt werden. Du musst dir also keine übermäßigen Sorgen darüber machen, wie viel Speicherplatz lokale Snapshots belegen – das System gibt ihn bei Bedarf automatisch frei.
Wenn Time Machine außer Kontrolle gerät
Manchmal entscheidet sich Time Machine, besonders aggressiv Snapshots anzulegen, etwa nach größeren System-Updates oder wenn du viele große Dateien bearbeitest. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, Time Machine kurzzeitig zu deaktivieren, die Snapshots manuell zu löschen und dann die Funktion wieder zu aktivieren – natürlich nur, nachdem du ein vollständiges Backup erstellt hast.
Du kannst Time Machine bequem in den Systemeinstellungen unter „Allgemein“ und dann „Time Machine“ deaktivieren und bei Bedarf wieder aktivieren. Diese Methode ist die von Apple empfohlene Vorgehensweise und funktioniert zuverlässig in allen modernen macOS-Versionen.
Prävention: So vermeidest du Speicherprobleme durch Snapshots
Die beste Strategie ist natürlich, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Schließe deine Time Machine-Festplatte regelmäßig an – mindestens einmal pro Woche ist empfehlenswert. So kann macOS die lokalen Snapshots mit dem Haupt-Backup synchronisieren und anschließend aufräumen.
Der Umgang mit lokalen Time Machine Snapshots zeigt einmal mehr, wie macOS im Hintergrund arbeitet, um deine Daten zu schützen. Mit den richtigen Terminal-Befehlen und einem grundlegenden Verständnis des Systems kannst du die Kontrolle behalten und deinen Speicherplatz optimal nutzen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen regelt das System die Snapshot-Verwaltung von selbst, und du musst nur bei akutem Speicherplatzmangel manuell eingreifen. Regelmäßige Backups auf eine externe Festplatte bleiben dabei die wichtigste Maßnahme, um sowohl Datensicherheit als auch ausreichend freien Speicher zu gewährleisten.
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