Während die meisten Reisenden im Januar den überfüllten Skipisten der Alpen oder den teuren Städtetrips hinterherjagen, verbirgt sich in Ostserbien ein Schatz, den nur wenige auf dem Radar haben: Gamzigrad-Romuliana. Diese UNESCO-Welterbestätte aus dem 3. Jahrhundert nach Christus bietet Paaren eine einzigartige Mischung aus Geschichte, Authentizität und winterlicher Ruhe – und das alles zu Preisen, die selbst das schmalste Reisebudget nicht sprengen. Der Januar verwandelt diese Region in eine stille, fast mystische Landschaft, in der ihr die antiken Mauern oft ganz für euch allein habt.
Warum Gamzigrad-Romuliana im Januar?
Der Januar mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen für einen Besuch archäologischer Stätten, doch genau darin liegt der Reiz. Die klare Winterluft lässt die Konturen der römischen Ruinen schärfer hervortreten, während gelegentlicher Schnee die antiken Steinmauern in ein märchenhaftes Licht taucht. Die Besucherzahlen sind minimal – oft werdet ihr die einzigen Menschen zwischen den 2000 Jahre alten Mauern sein. Diese Intimität macht den Besuch zu einem romantischen Erlebnis, das ihr als Paar in vollen Zügen genießen könnt, ohne euch durch Touristengruppen kämpfen zu müssen.
Die niedrigen Temperaturen, die tagsüber zwischen 0 und 5 Grad Celsius liegen, sind mit der richtigen Kleidung absolut erträglich. Die Eintrittspreise sind im Winter ohnehin schon günstig – rechnet mit etwa 2 bis 3 Euro pro Person – und die gesamte Region zeigt sich von ihrer authentischsten Seite, wenn der Massentourismus pausiert.
Die Pracht der kaiserlichen Residenz entdecken
Romuliana war einst der prächtige Altersruhesitz des römischen Kaisers Galerius, der hier im späten 3. Jahrhundert einen monumentalen Palastkomplex errichten ließ. Was heute noch steht, beeindruckt durch seine schiere Größe und die erkennbare architektonische Raffinesse. Die massiven Befestigungsmauern mit ihren imposanten Türmen umschließen ein Areal, das einst Paläste, Tempel und Thermen beherbergte.
Plant mindestens zwei bis drei Stunden für die Erkundung des Hauptareals ein. Die Mosaikböden, die teilweise noch erhalten sind, gehören zu den Höhepunkten – ihre geometrischen Muster und figürlichen Darstellungen erzählen von der Kunstfertigkeit römischer Handwerker. Besonders beeindruckend ist der Kontrast zwischen den robusten Verteidigungsanlagen und den filigranen Details der Innenausstattung, die erahnen lassen, wie luxuriös das Leben hier einst war.
Das kleine Museum am Eingang solltet ihr nicht auslassen. Hier werden Fundstücke aus den Ausgrabungen präsentiert, darunter Skulpturen, Münzen und Alltagsgegenstände, die das Leben in der Spätantike greifbar machen. Die Ausstellung ist überschaubar, aber informativ aufbereitet – perfekt, um sich vor oder nach dem Rundgang ein besseres Bild zu machen.
Zaječar als Ausgangspunkt nutzen
Die nächstgelegene Stadt ist Zaječar, etwa 11 Kilometer von Gamzigrad entfernt. Dieser Ort eignet sich hervorragend als Basis für eure Erkundungen. Die Stadt selbst ist keine touristische Hochburg, was bedeutet, dass die Preise erfrischend niedrig sind. Einfache, saubere Unterkünfte in Privatpensionen oder kleineren Hotels findet ihr bereits ab 20 bis 30 Euro pro Nacht für ein Doppelzimmer. Die Gastgeber sind in der Regel herzlich und hilfsbereit, auch wenn Englischkenntnisse manchmal begrenzt sind – ein Übersetzungs-App kann hier Wunder wirken.
In Zaječar selbst gibt es einige sehenswerte Ecken: Das Nationalmuseum zeigt eine beeindruckende Sammlung römischer Artefakte aus der Region, der Eintritt kostet etwa 1,50 Euro. Ein Spaziergang durch das Stadtzentrum offenbart die typische Architektur serbischer Provinzstädte – funktional, aber mit Charme in den Details. Nutzt die Gelegenheit, in einem der lokalen Cafés einen türkischen Kaffee zu genießen (etwa 1 Euro) und das Alltagsleben zu beobachten.
Fortbewegung ohne Luxusansprüche
Von Zaječar nach Gamzigrad kommt ihr am flexibelsten mit einem Taxi, das für die Hin- und Rückfahrt inklusive Wartezeit etwa 15 bis 20 Euro kostet – verhandelt den Preis am besten vorher. Alternativ verkehren lokale Busse, allerdings mit begrenztem Fahrplan, besonders im Winter. Fragt in eurer Unterkunft nach den aktuellen Zeiten.
Wer ein Auto mietet, zahlt in Serbien deutlich weniger als in Westeuropa – etwa 20 bis 25 Euro pro Tag für einen Kleinwagen. Die Straßen sind im Januar manchmal verschneit, aber die Hauptverbindungen werden geräumt. Ein Fahrzeug gibt euch die Freiheit, auch die umliegende Landschaft zu erkunden, die im Winter eine karge, aber faszinierende Schönheit entfaltet.

Kulinarische Entdeckungen zu Minipreisen
Die serbische Küche ist deftig, wärmend und perfekt für Januartage. In Zaječar findet ihr zahlreiche traditionelle Gaststätten, in denen eine vollständige Mahlzeit selten mehr als 7 bis 10 Euro pro Person kostet. Probiert unbedingt Ćevapi (gegrillte Hackfleischröllchen), Pljeskavica (eine Art würziger Burger) oder vegetarische Varianten mit gegrilltem Gemüse und Käse.
Besonders im Winter sind Eintöpfe belaubt – Pasulj (Bohnensuppe) oder Sarma (Kohlrouladen) wärmen von innen und kosten in einfachen Lokalen etwa 3 bis 5 Euro. Dazu passt ein lokales Bier für etwa 1,50 Euro oder, für Mutige, ein Rakija (Obstschnaps), der traditionell als Digestif gereicht wird.
Wenn ihr selbst kochen möchtet, bieten die lokalen Märkte frisches Gemüse, Brot und Käse zu Spottpreisen. Ein Einkauf für zwei Personen für einen Tag kostet selten mehr als 10 Euro, was eure Reisekasse zusätzlich schont.
Verborgene Schätze in der Umgebung
Nutzt eure mehreren Tage, um auch die Umgebung zu erkunden. Das Felix Romuliana Festival findet zwar nicht im Januar statt, aber die Region hat auch in der Winterpause ihren Reiz. Die hügelige Landschaft zwischen Zaječar und der bulgarischen Grenze ist durchzogen von kleinen Dörfern, in denen die Zeit stehengeblieben scheint.
Etwa 20 Kilometer südöstlich liegt das Rgotski-Kloster, ein mittelalterliches Juwel, das im Winter von Schnee umhüllt sein kann. Der Eintritt ist frei, und die Wandmalereien im Inneren sind bemerkenswert gut erhalten. Die Stille an diesem abgelegenen Ort lädt zum Innehalten ein – ein perfekter Moment zu zweit.
Für Naturliebhaber lohnt sich ein Ausflug zum Brnjički-Gorge, einer Schlucht mit dramatischen Felsformationen. Im Januar ist Vorsicht geboten, da Wege vereist sein können, aber die Aussichten sind spektakulär. Vergesst eure Kamera nicht – das Licht im Wintermonat verleiht den Landschaften eine besondere Atmosphäre.
Praktische Hinweise für sparsame Reisende
Serbien ist noch nicht Teil der Eurozone, die Landeswährung ist der Dinar (RSD). Wechselt am besten vor Ort bei einer Bank oder Wechselstube, die Kurse sind fair. Geldautomaten sind weit verbreitet, auch in Zaječar. Kreditkarten werden in größeren Etablissements akzeptiert, aber habt immer etwas Bargeld dabei, besonders für kleinere Ausgaben.
Die Anreise nach Zaječar erfolgt meist über Niš, das etwa 100 Kilometer westlich liegt und einen Flughafen hat. Von dort verkehren Busse nach Zaječar, die Fahrt dauert etwa zwei Stunden und kostet 5 bis 7 Euro. Alternativ erreicht ihr Serbien auch über Belgrad und reist dann mit dem Bus oder Zug weiter – eine längere, aber landschaftlich reizvolle Strecke.
Kleidungstechnisch solltet ihr euch auf kaltes Wetter einstellen: Schichten sind essentiell, ebenso festes Schuhwerk mit gutem Profil für die teilweise unebenen Wege in Romuliana. Eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Kaffee für den Besuch der Ausgrabungsstätte ist keine schlechte Idee – es gibt vor Ort nur begrenzte Möglichkeiten, sich aufzuwärmen.
Die Magie der Nebensaison
Was Gamzigrad-Romuliana im Januar so besonders macht, ist genau das, was viele abschrecken könnte: die Abgeschiedenheit, die Kälte, die Leere. Doch für Paare, die authentische Erlebnisse suchen und bereit sind, sich auf das Ungewöhnliche einzulassen, wird diese Reise zu einer intensiven Erfahrung. Ihr wandelt durch die gleichen Hallen wie römische Kaiser, ohne dass ein Audioguide oder Absperrbänder die Illusion stören. Die lokale Bevölkerung begegnet euch mit echter Neugier und Gastfreundschaft, weil Wintertouristen hier Seltenheitswert haben.
Mit einem Tagesbudget von etwa 40 bis 60 Euro pro Person (inklusive Unterkunft, Verpflegung, Transport und Eintritten) ist diese Reise selbst für kleine Geldbeutel machbar. Die Erinnerungen, die ihr mitnehmt – gefrorene Sonnenaufgänge über antiken Ruinen, dampfende Suppen in gemütlichen Gaststuben, die Stille zwischen tausendjährigen Mauern – sind unbezahlbar und unterscheiden sich fundamental von den üblichen Winterreisezielen. Gamzigrad-Romuliana im Januar ist eine Einladung, Reisen neu zu denken: langsamer, tiefer, echter.
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