Stiftung Warentest warnt: Diese Zeile auf der Verpackung verrät, ob Sie mit Ihrer Pflanzenmilch heimlich zunehmen

Wer im Supermarkt zur Sojamilch greift, tut dies häufig in der Überzeugung, eine gesündere Alternative zur herkömmlichen Kuhmilch gewählt zu haben. Doch ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle offenbart nicht selten eine unangenehme Überraschung: Viele pflanzliche Milchalternativen enthalten deutlich mehr Zucker als erwartet. Was als bewusste Ernährungsentscheidung beginnt, kann sich schnell als Diätfalle entpuppen – besonders dann, wenn man nicht weiß, worauf beim Lesen der Produktinformationen zu achten ist.

Die trügerische Wahrnehmung von Sojamilch als Diätprodukt

Pflanzliche Milchalternativen haben in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Aufstieg erlebt. Sie gelten als nachhaltig, laktosefrei und kalorienarm. Besonders Menschen, die abnehmen möchten oder auf ihre Figur achten, greifen gerne zu diesen Produkten. Die Realität sieht allerdings komplizierter aus: Während ungesüßte Varianten tatsächlich wenige Kalorien und kaum Zucker enthalten, verstecken sich in vielen handelsüblichen Produkten erhebliche Zuckermengen, die den vermeintlichen Gesundheitsvorteil zunichtemachen.

Das Problem beginnt bereits bei der Produktentwicklung. Sojamilch besitzt von Natur aus einen leicht nussigen Geschmack, der nicht jedem zusagt. Um die Akzeptanz bei Verbrauchern zu erhöhen, setzen Hersteller daher auf Geschmacksverbesserung – und Zucker ist dabei das Mittel der Wahl. Das Tückische: Diese Süßung wird nicht immer offen kommuniziert, sondern verschleiert sich hinter verschiedenen Bezeichnungen und cleveren Darstellungen in der Nährwerttabelle.

Versteckte Zuckerfallen: Wenn Kohlenhydrate nicht gleich Kohlenhydrate sind

Die Nährwerttabelle auf der Verpackung folgt gesetzlichen Vorgaben und muss bestimmte Angaben enthalten. Doch zwischen den Zeilen lauern Fallstricke, die selbst aufmerksame Käufer übersehen können. Ein klassisches Beispiel: die Angabe der Kohlenhydrate.

In der standardisierten Nährwerttabelle findet sich zunächst der Gesamtwert für Kohlenhydrate, darunter – oft eingerückt oder kleiner gedruckt – die Angabe „davon Zucker“. Diese Differenzierung ist entscheidend. Während die Sojabohne selbst kaum Zucker enthält, können bei gesüßten Produkten die Zuckerwerte pro 100 Milliliter auf 3 Gramm oder mehr steigen. Bei aromatisierten Varianten wie Schokolade oder Vanille liegen die Werte teilweise noch deutlich höher. Zum Vergleich: Ein Teelöffel Zucker wiegt etwa 4 Gramm. Schon die Verwendung von 300 Millilitern einer gesüßten Sojamilch kann daher mehrere Teelöffel Zucker bedeuten – eine Menge, die viele Verbraucher niemals bewusst in ihren Kaffee rühren würden.

Die verschiedenen Gesichter des Zuckers

Erschwerend kommt hinzu, dass Zucker in der Zutatenliste unter verschiedensten Bezeichnungen auftauchen kann. Agavendicksaft, Reissirup, Maltodextrin, Fruktose oder Glukosesirup – all diese Begriffe bezeichnen letztlich Zuckerarten, die den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben und Kalorien liefern. Manche dieser Süßungsmittel klingen natürlich und gesund, haben aber denselben Effekt auf den Körper wie gewöhnlicher Haushaltszucker.

Ein weiterer Trick: Hersteller können durch die Verwendung mehrerer verschiedener Zuckerarten diese weiter hinten in der Zutatenliste platzieren. Da die Zutaten nach Gewichtsanteil geordnet werden müssen, erscheint keine einzelne Zuckerart an vorderster Stelle – obwohl die Gesamtzuckermenge beträchtlich sein kann. Nur die Nährwerttabelle zeigt die Wahrheit, denn dort muss der Gesamtzuckergehalt angegeben werden.

So lesen Sie die Nährwerttabelle richtig

Die korrekte Interpretation der Nährwertangaben erfordert etwas Übung, ist aber keine Wissenschaft. Der erste Schritt besteht darin, die Bezugsgröße zu überprüfen. Nährwertangaben beziehen sich standardmäßig auf 100 Gramm oder 100 Milliliter. Manche Hersteller geben zusätzlich Werte für eine Portion an – diese Portionsgrößen sind jedoch nicht standardisiert und fallen manchmal unrealistisch klein aus. Eine angegebene „Portion“ von 125 Millilitern klingt bescheiden, doch wer verwendet schon so wenig Pflanzenmilch im Müsli oder Kaffee? Rechnen Sie daher immer auf Ihre tatsächliche Verzehrmenge hoch.

Die Zuckerangabe ist entscheidend

Der Wert unter „Kohlenhydrate“ allein sagt wenig aus, denn Kohlenhydrate umfassen auch Stärke und Ballaststoffe. Entscheidend ist die Zeile „davon Zucker“. Hier gibt es klare Richtwerte: Ungesüßte Sojamilch sollte maximal 0,1 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten. Dieser minimale Restzuckergehalt stammt natürlicherweise aus der Sojabohne. Alles darüber deutet auf zugesetzten Zucker hin.

Gesüßte Varianten enthalten üblicherweise bis zu 3 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, aromatisierte Sorten können noch deutlich höhere Werte aufweisen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine maximale Zuckeraufnahme, die man bei Pflanzenmilchalternativen berücksichtigen sollte. Produkte mit übermäßig hohen Zuckerwerten sollten Sie meiden oder nur in geringen Mengen verwenden.

Vergleichen Sie verschiedene Produkte

Nehmen Sie sich im Supermarkt die Zeit, mehrere Produkte nebeneinander zu halten und die Nährwerttabellen zu vergleichen. Die Unterschiede können erheblich sein – selbst bei äußerlich ähnlichen Produkten. Eine Variante enthält vielleicht 0,1 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, eine andere 3 Gramm oder mehr. Über die Woche gerechnet macht dies einen gewaltigen Unterschied in der Kalorienbilanz.

Die Kennzeichnung „ungesüßt“ kritisch hinterfragen

Selbst die Aufschrift „ungesüßt“ oder „ohne Zuckerzusatz“ garantiert nicht automatisch ein zuckerarmes Produkt. Diese Bezeichnungen sind rechtlich geregelt, lassen aber Spielraum. Die Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ bedeutet lediglich, dass kein isolierter Zucker zugefügt wurde – Zutaten wie Fruchtsaftkonzentrat oder Trockenfrüchte, die ebenfalls viel Zucker enthalten, sind dennoch erlaubt.

Außerdem können aromatisierte Varianten – etwa mit Vanille oder Schokolade – auch dann als „ungesüßt“ deklariert werden, wenn sie Süßstoffe enthalten. Diese liefern zwar keine Kalorien, sind aber nicht jedermanns Sache und können ebenfalls das Verlangen nach Süßem verstärken.

Praktische Konsequenzen für den Alltag

Wer Sojamilch als Teil einer kalorienbewussten Ernährung nutzen möchte, sollte konsequent zur ungesüßten Naturvariante greifen. Ungesüßte Sojamilch enthält etwa 80 bis 90 Kalorien pro Tasse – das entspricht circa 240 Millilitern. Gesüßte Varianten bringen es dagegen auf 100 bis 140 Kalorien, aromatisierte Sorten können sogar bis zu 160 Kalorien erreichen. Der Geschmack mag anfangs ungewohnt sein, doch die meisten Menschen gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran. Im Kaffee, Müsli oder Smoothie fällt der neutrale Geschmack ohnehin kaum auf.

Für alle, die bereits gesüßte Sojamilch verwenden, lohnt sich eine einfache Rechnung: Bei einem täglichen Konsum von 300 Millilitern mit 3 Gramm Zucker pro 100 Milliliter nehmen Sie allein dadurch 9 Gramm Zucker zu sich. Das mag zunächst wenig klingen, summiert sich aber über ein Jahr auf über 3 Kilogramm reinen Zucker. Der Wechsel zu einer ungesüßten Variante kann daher tatsächlich einen messbaren Unterschied auf der Waage bewirken.

Was Studien über versteckte Zucker in Pflanzenmilch zeigen

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen das Problem der versteckten Zucker in pflanzlichen Milchalternativen. Eine Studie des Salzburger Forschungsinstituts SIPCAN aus dem Jahr 2022 analysierte 424 verschiedene Produkte und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Etwa 25 Prozent aller untersuchten pflanzlichen Milchalternativen enthielten zu viel Zucker. Jedes zehnte Produkt war zudem zu fettreich.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Industrie noch Nachholbedarf hat, wenn es um die Herstellung wirklich gesunder Alternativen geht. Die Verantwortung liegt jedoch nicht allein bei den Herstellern. Verbraucher können durch bewusste Kaufentscheidungen Einfluss nehmen und zu Produkten greifen, die tatsächlich ihren Gesundheitszielen entsprechen.

Transparenz beginnt beim bewussten Einkauf

Die Lebensmittelindustrie ist gesetzlich verpflichtet, Nährwertangaben bereitzustellen – doch die Verantwortung für eine informierte Kaufentscheidung liegt letztlich beim Verbraucher. Wer die Nährwerttabelle zu lesen versteht, kann bewusste Entscheidungen treffen und Produkte wählen, die tatsächlich zu den eigenen Ernährungszielen passen.

Der Griff zur Sojamilch ist nicht automatisch eine gesunde Wahl – aber er kann es sein, wenn man weiß, worauf zu achten ist. Die paar zusätzlichen Sekunden, die es braucht, um die Nährwerttabelle zu studieren, sind gut investierte Zeit. Sie schützen nicht nur vor ungewollten Zuckerfallen, sondern ermöglichen eine Ernährung, die den eigenen Vorstellungen von Gesundheit und Wohlbefinden entspricht. In einer Welt voller Marketingversprechen und ansprechend gestalteter Verpackungen bleibt die nüchterne Zahlenreihe der Nährwerttabelle die verlässlichste Informationsquelle – vorausgesetzt, man versteht ihre Sprache.

Wie viel Zucker steckt in deiner Pflanzenmilch?
Keine Ahnung hab nie nachgeschaut
Unter 1 Gramm pro 100 ml
Zwischen 1 und 3 Gramm
Über 3 Gramm pro 100 ml
Ich trinke nur ungesüßte

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